WAFFENBRUNN. Der Saal im Berggasthof Hastreiter war komplett besetzt, als sich ein junger Mann zwischen dem Publikum durch auf die Bühne zwängte und den Auftritt der drei Bayerischen Urgesteine ankündigte. „Mein Name ist Kapitän Karl und ich darf sie heute ganz herzlich begrüßen auf unserer Reise von Waffenbrunn nach Hawaii. Wir befinden uns aktuell auf einen Wolkenschiff, der Wolke 26 …..“,

begann der Kale (Karl Handlos) seinen Prolog und kündigte zugleich ein Unterhaltungsprogramm und seine beiden Mitstreiter den Sepp und den Kare, vulgo Josef Oswald, ein junger Student aus München und Karl Bauhuber, zugeteilt vom Arbeitsamt als Praktikant, an. „Wir sind kein Musikkabarett wie immer behauptet wird, wir sind eine Boigroup“, stellte der Kare noch fest, bevor die Drei richtig loslegten.

Musik von drei Weltenbummlern

„A bisserl ironisch, a wengerl sarkastisch und a kloans bisserl böse, aber dafür wahnwitzig“, beschreiben sie ihr Programm auf ihrer Homepage und von alle dem bekamen die Waffenbrunner viel zu hören. Jamaika und Hawaii waren imaginär immer vor den Augen der drei Weltenbummler und Vollblutmusiker und sie erzählten und nahmen sich gegenseitig auf den Arm, bezogen aber immer das Publikumin ihre Phantasiereise mit ein. Einmal waren die Mädels im Vordergrund, dann die Buam und manchmal alle. Dem Publikum gefiel das und es hatte zwischen den eigenen Auftritten auch genügend Zeit, um ausgiebig zu lachen.

Ungschminggd ist ein gut eingespieltes Team mit professioneller Musik. Ein Kontrabass, den der Sepp spielt, klingt halt immer noch wesentlich besser als eine Bassgitarre. Die Finger vom Kare fliegen behände über die Tasten seiner Quetschn und der Kale an der Gitarre spielt Soli vom besten und begleitet virtuos. Die drei bieten einfühlsame Melodien, die sich auch durchaus als Ohrwurm bezeichnen ließen.

Mit den Worten im Dialog untereinander gehen sie spielerisch um und regieren auf jedes Stichwort. Und wie schon angekündigt, a a kloans bisserl böse kommt auf, wenn sie zum Beispiel beim Thema Biogasanlage feststellen, „dass da Scheißdreck heutzutage mehr wert ist als die Milli“.

Viel Beifall erhalten sie, als sie feststellten, dass das Wort Neger oder Zigeuner heute im deutschen Wortschatz im Zuge der großzügigen Asylpolitik verpönt ist. „Statt Neger“, sagte der Kale, „heißt es jetzt „maximal pigmentierter Gebietsfremder mit temporärer Aufenthaltsgenehmigung“.

Witze über „Negerbeitl“

Das Stichwort nimmt der Sepp gleich auf und erzählt von seinem Spezi, der in der Metzgerei Negerbeitl anbietet. Das heißt jetzt „maximal pigmentierte Speckwurst mit geringem Rauchanteil“, sagt der Kale und gibt auch für die Speisenkarte im Berggasthof Hastreiter, auf der ein Zigeunerschnitzel angeboten wird, den Hinweis, dass das „Schnitzel nach Art mobiler Osteuropäer“ heißen muss.

Der Kare erzählt von ihrem Amerikatrip und den Versuch in Washington über einen sechsspurigen Hickwai drei Hoiwe in einem Store zu bekommen, um den Durst zu löschen.

Beim Stück „Jessas san die Mana dumm“, dürfen die Mädels und Jungs wieder mitsingen und im Anschluss an das Lied erzählt der Sepp von einer Sexstudie aus der Rentnerbravo (Apothekenumschau). Die Studie ist in fünf Epochen eingeteilt und geht von fünf Mal am Tag bis fünf Mal im Jahr und endet mit der Aussage vom Opa, der Weihnachten präferiert, denn dieses Fest ist öfters.

Die anschließende Pause tut den Protagonisten gut und beim Publikum können sich die Lachsmuskeln erholen. Danach erzählt der Sepp, dass er in ein Seminar ins Kloster geht, wo der Bischof Tebartz van Elst einen Vortrag über das Sparen hält. Alternativ wäre im Angebot ein Seminar in Miesbach zumThema wie finanziere ich meinen Geburtstag oder in Landsberg, wo der Hoeneß referiert über ein Heim für schöner Wohnen.

Der Kare hat auch noch einen Beitrag über ausgefallenen Sex: Am Montag ausgefallen, am Dienstag ausgefallen... und gleich darauf singt der Kare die Ballade von seiner Liebe zum Leberkäs und langsam geht es dem Ende der Veranstaltung zu.

Die schönste Sprache in Bayern

So einfach aber kommen die Drei nicht von der Bühne. Das Publikum ruft und fordert vehement Zugabe und so folgt noch der Song „I mog di“ und zumSchluss präsentieren sie noch den eigenen Welthit: „Wire wia, so wire, wire wia i wia, wire wia so wire, sonst werde i wirkli siri“. Unter dezenter Gitarrenbegleitung resümiert der Kare noch Nachdenkliches zum Thema „Tschüss“. Pfüd di, Servus oder habe die Ehre: Egal wo mir san, mir ham die schönste Sprach in Bayern stellt er fest und gibt den Besuchern mit auf den Weg, dass sie sich nicht verbiegen lassen sollen.

Das Waffenbrunner Publikum dankte es nochmals mit einem riesigen Applaus. Und dann noch ein letztes besinnliches Lied: „Wir wünschen ma uns von eich, seids immer freindlich jeder Zeit. Besitz und Reichtum san nix wert, mir san nur Gast auf derer Erd. Der Mensch strebt nur nach Macht und Geld und unterjocht brutal die Welt. Doch macht er sich as Lehm a no so schön, irgendwann muas a jeda gehen.“ Und sie gehen auch. Zunächst die drei Ungschminggdn und dann das Publikum. Aber jedem ist anzusehen, dass es ein gelungener und sehr lustiger Abend war und dass man wirklich was verpasst hätte, wenn man nicht gekommen wäre.